Apollo, was ist Krav Maga aus Deiner Sicht?
Aus meiner Sicht ist Krav Maga Self Defense mehr als nur eine Sammlung von Selbstverteidigungstechniken. Es ist ein strukturierter Weg, sich durch Wiederholung einfacher Techniken und Szenarien mental und körperlich auf Situationen vorzubereiten, in denen rasches, entschiedenes, aber verhältnismässiges und effizientes Handeln gefragt ist.
Mit dem Training von Krav Maga lernen wir, unter Stress klar(er) zu denken und effektiv zu handeln. Es geht dabei nicht nur um physische Techniken, sondern auch um die Entwicklung einer mentalen Stärke und Bereitschaft, die es ermöglicht, in unvorhergesehenen Situationen schneller zu handeln. Insbesondere Zivilisten, die sich (anders als Polizei/Armee) nicht in einem Einsatz befinden und auch keinen Auftrag haben und deshalb mit einer potenziellen Gefahrenlage auch nicht vorbefasst sind, müssen in ihrem (eigentlich friedlichen) Alltag schnell entscheiden, wie sie auf plötzlich auftretende Gefahren reagieren: Im öffentlichen Verkehr, auf dem Arbeitsweg, am Arbeitsplatz – es gibt (leider) keinen Ort in der Öffentlichkeit, wo man vor Angriffen sicher ist.
Durch die Wiederholung von Techniken und Szenarien entwickeln wir ein intuitives Verständnis («unbewusste Kompetenz» oder «muscle memory») dafür, wie wir in verschiedenen Situationen reagieren sollten: Körperhaltung und -stellung, Distanz und Ausrichtung und die Position unserer Hände sollen so sein, wie wir es immer und immer wieder geübt haben. Dies erleichtert es uns, schnell und entschieden zu handeln, ohne lange nachdenken zu müssen.
Krav Maga wird über die Zeit zu einer Lebensphilosophie. Es lehrt uns, proaktiv zu sein, Gefahren zu erkennen und zu vermeiden, und uns auf das Schlimmste vorzubereiten, während wir hoffen, dass es nie eintritt. Es geht darum, sich selbst und andere zu schützen, und gleichzeitig ein Gespür für die Welt um uns herum zu entwickeln.
Mit dem Training bauen wir ein Selbstvertrauen auf, das sich in unserer Haltung und der Art, wie wir anderen Menschen begegnen, zeigt: Wir signalisieren potenziellen Aggressoren mit Blickkontakt, unserer Körperhaltung und unter Umständen auch unserer Positionierung ihnen gegenüber, dass wir nicht bereit sind, die Opferrolle zu übernehmen. Wir bleiben ruhig, bis wir handeln müssen. Dann handeln wir «situativ variabel» unter Berücksichtigung der konkreten Situation, mit aller Entschlossenheit und in voller Kenntnis unserer Fähigkeiten und Kräfte. Wir haben eine Vorstellung, wann wir die Kontrolle übernommen und den Angriff abgewehrt haben.
Zusammengefasst ist Krav Maga für mich ein umfassendes System zur Selbstverteidigung und persönlichen Entwicklung, das uns hilft, in einer oft unvorhersehbaren und auch gefährlichen Welt sicher(er) und selbstbewusst(er) zu leben:
«Train for the worst (but plan for the best).»
(Auszug aus dem persönlichen Bericht im Rahmen der Advanced Instruktor-Ausbildung)

